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Rohrreinigung und Kanalreinigung: wo der Unterschied liegt
Wer bei uns anruft, weil das Wasser nicht abläuft, sagt fast immer denselben Satz: Ich bräuchte mal eine Rohrreinigung.
Manchmal stimmt das. Manchmal ist es das Gegenteil dessen, was gebraucht wird. Und weil an dieser Unterscheidung die Fahrzeugwahl hängt, lohnt sich ein Blick darauf, bevor Sie zum Hörer greifen.
Zwei Größenordnungen, zwei Werkzeuge
Rohrreinigung meint die Leitungen im Gebäude und auf dem Grundstück. Das sind die Abflüsse unter Waschbecken, Dusche und Toilette, die Fallleitungen im Strang und die Grundleitungen unter der Bodenplatte. Durchmesser bewegen sich grob zwischen 50 und 150 Millimetern. Gearbeitet wird mit der elektrischen Spirale und mit Hochdruck in kleinerer Dimension.
Kanalreinigung beginnt dort, wo das Grundstück endet. Sammelleitungen, Anschlusskanäle, Schächte und das öffentliche Netz haben Durchmesser ab etwa 150 Millimetern aufwärts, in Ortsnetzen deutlich mehr. Dafür braucht es ein Spül- und Saugfahrzeug mit erheblicher Wassermenge, mit Schlauchhaspel und mit einem Tank, der den gelösten Schlamm aufnimmt.
Der Unterschied ist also keine Wortklauberei. Er entscheidet, welches Fahrzeug zu Ihnen fährt. Ein Saugwagen vor einem verstopften Waschbecken ist genauso verkehrt wie eine Handspirale vor einem Sammelkanal.
Woran Sie erkennen, was bei Ihnen ansteht
Eine Faustregel bringt Sie meistens weiter: Achten Sie darauf, wie viele Abläufe betroffen sind.
Läuft nur die Dusche langsam ab, während Küche und Toilette normal funktionieren, sitzt das Problem in der Anschlussleitung dieses einen Objekts. Das ist klassische Rohrreinigung, oft in einer knappen Stunde erledigt.
Stehen dagegen mehrere Abläufe gleichzeitig, kommt Wasser im Keller aus dem Bodenablauf hoch, gluckert es in der Toilette, wenn die Waschmaschine abpumpt, dann liegt die Ursache weiter unten im System. Dort, wo alle Stränge zusammenlaufen. Das wird ein Fall für den Kanal.
Der zweite Hinweis ist die Wiederholung. Ein einmaliger Stau nach einer Party ist eine Sache. Wenn sich derselbe Abfluss dreimal im Jahr zusetzt, ist die Verstopfung nur das Symptom, und die eigentliche Frage lautet, was im Rohr die Ablagerung begünstigt. Ein Gegengefälle, eine abgesackte Muffe, ein Wurzeleinwuchs. Das beantwortet keine Spirale, das beantwortet die Kamera.
Warum wir trotzdem selten nur eines von beidem machen
In der Praxis vermischt sich das regelmäßig, und zwar aus einem guten Grund.
Wenn wir einen Anschlusskanal spülen, ist das akute Problem danach weg. Ob es wiederkommt, hängt davon ab, was die Spülung freigelegt hat. Deshalb gehört die TV-Inspektion in vielen Fällen direkt dazu: Die Kamera fährt durch die gereinigte Leitung und zeigt, ob dort ein Schaden sitzt, der die nächste Verstopfung bereits vorbereitet.
Umgekehrt bringt die schönste Kamerafahrt wenig, wenn die Leitung vorher nicht sauber ist. Auf einer fettbelegten Rohrwand sieht man keine Risse. Die Reihenfolge ist also fast immer dieselbe: erst frei machen, dann hineinsehen, dann entscheiden.
Was Sie beim Anruf sagen können, ohne Fachbegriffe zu treffen: welche Abläufe betroffen sind, seit wann, ob es schon einmal vorkam und ob Sie einen Schacht auf dem Grundstück haben. Daraus ergibt sich das passende Fahrzeug, und Sie bezahlen keine Anfahrt für die falsche Technik.
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