Schaubild zur Reinigung von Abwasserpumpwerken in Niedersachsen: früher zweimal im Jahr, heute teils viermal, einzelne alle sechs Wochen
06.11.2026
  • #Verstopfungsbeseitigung
  • #Rohrreinigung
  • #Kanalreinigung
  • #Lüneburg

Feuchttücher im WC: warum „spülbar“ nicht heißt, dass sie wie Papier zerfallen

Auf der Packung steht, das Tuch dürfe nach dem Gebrauch in die Toilette. Wer den Abwasserbetrieben in Niedersachsen und Hamburg zuhört, hört etwas anderes. Für den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband sind diese Tücher Abfall, auch wenn auf der Verpackung etwas anderes steht.

Die Verbraucherzentrale NRW rät ebenfalls davon ab, Feuchttücher über die Toilette zu entsorgen, und zwar ausdrücklich auch dann, wenn die Packung es erlaubt.

Was im Rohr passiert

Toilettenpapier ist dafür gemacht, im Wasser schnell zu zerfasern. Feuchttücher aus Vlies sind das Gegenteil. Sie bestehen nach Angaben des Wasserverbands aus einem Gemisch aus Polyester und Viskose, manche auch aus Fasern, die mit Kunstharz gefestigt sind. In Wasser lösen sie sich laut Wasserverband nicht auf, allenfalls viel zu langsam.

In Pumpen verfilzen sie zu langen, zähen Strängen. Hamburg Wasser beschreibt, wie sich die Tücher zu Zöpfen verhaken, bis eine Pumpe stehen bleibt. Herausgeholt werden sie von Hand, gesägt, gerissen, geschnitten. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck schrieben schon 2019, dass sich das Abwasser im schlimmsten Fall bis in die Keller der Wohnhäuser zurückstauen kann, wenn verklumpte Tücher die Pumpen stilllegen.

Diese Berichte betreffen Pumpwerke im öffentlichen Netz. Bis dorthin muss das Tuch aber erst einmal kommen, durch die Leitungen im eigenen Haus.

Was „spülbar“ auf der Packung bedeutet

Eine unabhängig geprüfte Zusage ist die Aufschrift nicht. Hersteller dürfen derzeit mit der Entsorgung über die Toilette werben. Die Verbraucherzentrale NRW hält diese Angabe für problematisch, und laut Verbraucherzentrale wird geprüft, ob künftig rechtliche Schritte möglich sind, so der Stand vom Juni 2026.

Einen staatlichen Prüfstandard haben wir in Deutschland nicht gefunden, auch keine DIN-Norm. Die Bundesregierung hielt eine Zertifizierung 2016 für nicht zielführend, weil Abfall ohnehin nicht ins Abwasser gehört. Die Hersteller haben eine freiwillige Leitlinie ihres Branchenverbands mit sieben Prüfungen. In einer davon schwenkt ein einzelnes Tuch 60 Minuten in einer Box mit Wasser, danach müssen mehr als 60 Prozent seiner Trockenmasse durch ein Sieb mit 12,5 Millimetern gehen. Bis zu 40 Prozent dürfen also in größeren Stücken bleiben.

Was die Abwasserbetriebe im Norden sehen

Der Wasserverband in Niedersachsen berichtet im Juni 2026, dass manche seiner Pumpwerke heute alle drei Monate gereinigt werden müssen statt wie früher halbjährlich, einzelne sogar alle sechs Wochen. Zwei zusätzliche Reinigungen im Jahr kosten an einem einzelnen Pumpwerk einen soliden vierstelligen Betrag. Im öffentlichen Netz zahlen das alle über die Abwassergebühren. Passiert die Verstopfung auf dem eigenen Grundstück, werden die Kosten laut Wasserverband nicht über die Gebühren verteilt, sondern direkt bezahlt. Wer im Mietshaus zahlt, haben wir im Beitrag Verstopfung in der Mietwohnung erklärt.

In Hamburg rückte Hamburg Wasser 2008 zu 42 Einsätzen wegen verstopfter Pumpen aus. 2021 waren es rund 460, der Höchststand. Für 2025 rechnet das Unternehmen mit rund 200, nach eigener Angabe vor allem dank neuer Pumpentechnik. Gezählt sind alle Verstopfungen, als Hauptverursacher nennt das Unternehmen die Feuchttücher.

Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer hat im Oktober 2025 gefordert, die Hersteller an den Kosten zu beteiligen, und verlangt klarere Hinweise auf der Packung.

Was stattdessen hilft

Am einfachsten ist ein kleiner Hygiene-Abfalleimer im Bad. Den Tipp geben die Entsorgungsbetriebe Lübeck. Als Ersatz für das Feuchttuch nennt der Wasserverband Toilettenpapier, das man mit etwas Lotion befeuchtet, und den Waschlappen.

Bei feuchtem Toilettenpapier sind sich die Betriebe nicht einig. Der Wasserverband und Lübeck empfehlen Tücher aus Papier, weil sie sich auflösen. Hamburg Wasser rät auch hier zum Mülleimer, weil feuchtes Toilettenpapier deutlich langsamer verrottet als gewöhnliches Klopapier. Wer sichergehen will, nimmt den Eimer.

Wie die richtige Spülmenge hilft, steht im Beitrag zur Spartaste am WC, und was Rohrreiniger aus der Flasche im Rohr löst und was nicht, im Beitrag über chemischen Rohrreiniger.

Läuft bei Ihnen trotzdem nichts mehr ab? Wir sind rund um die Uhr erreichbar unter 04131 / 62105. Schriftlich erreichen Sie uns unter service@behne-entsorgung.de. Was wir außer der Verstopfungsbeseitigung noch übernehmen, sehen Sie auf der Startseite.