- #TV-Inspektion
- #Rohrsanierung
- #Kanalsanierung
- #Dichtheitsprüfung
- #Lüneburg
Den Kamerabericht lesen: was BAB, BBA und 3 Uhr bedeuten
BAB C A, 6 mm, 3 Uhr, 5,50 m. So ähnlich sieht eine Zeile in einem Kamerabericht aus, je nach Programm in anderer Reihenfolge. Wer sie zum ersten Mal liest, kann wenig damit anfangen. Dabei steht dort alles Wichtige: die Art des Schadens, seine Größe, die Stelle im Rohr und die Entfernung vom Schacht.
Übersetzt heißt die Zeile: klaffender Riss in Längsrichtung, sechs Millimeter breit, rechts auf halber Höhe der Rohrwand, fünfeinhalb Meter hinter dem Startpunkt.
Drei Buchstaben und ein Zifferblatt
Die Kürzel stammen aus einer europäischen Norm, der DIN EN 13508-2. Jede Feststellung beginnt mit einem Hauptcode aus drei Buchstaben. Der erste sagt, wo die Kamera war: B steht für die Leitung, D für den Schacht. Der zweite sortiert grob. BA sind Befunde am Bauwerk selbst, also Risse, Brüche und verschobene Verbindungen. BB betrifft den Betrieb: Wurzeln, Ablagerungen, eindringendes Wasser.
Hinter dem Hauptcode folgen bis zu zwei Buchstaben, die den Befund genauer beschreiben, und bis zu zwei Zahlen, die ihn messen. Beim Riss ist das die Breite in Millimetern. Bei Wurzeln und Ablagerungen ist es der Anteil des Querschnitts, den sie versperren, in Prozent.
Die Lage im Rohr wird wie auf einem Zifferblatt angegeben. 12 Uhr ist der Scheitel, also oben, 6 Uhr die Sohle, 3 Uhr die rechte Seite im Kamerabild. Die Meterangabe zählt vom Anfang der Leitung, in der Regel von dem Schacht, an dem die Kamera gestartet ist.
Die wichtigsten Kürzel
BAB ist Rissbildung, BAC ein Rohrbruch bis hin zum Einsturz. Der Unterschied: Beim Riss liegen alle Teile der Rohrwand noch an ihrem Platz, beim Bruch sind sie verschoben, im schlimmeren Fall fehlen sie. BAJ steht für eine verschobene Verbindung, wenn zwei Rohre an der Muffe nicht mehr richtig ineinandersitzen. BBA sind Wurzeln, BBC Ablagerungen, BBF ist Wasser, das von außen eindringt.
Nicht jeder Code ist ein Schaden. BCA vermerkt nur, dass an dieser Stelle ein Anschluss einmündet. BDC bedeutet, dass die Kamera vor dem Ende der Leitung umkehren musste. BDD hält einen Wasserspiegel fest. Steht das Wasser in einer abgesackten Strecke, zählt das allerdings selbst als Schaden.
Vom Kürzel zur Dringlichkeit
Private Grundstücksleitungen werden häufig nach der DIN 1986-30 bewertet. Sie ordnet die wichtigsten Schäden einer von drei Schadensklassen zu. A ist die schwerste, C die leichteste. Mit den Buchstaben hinter dem Hauptcode haben diese Klassen nichts zu tun: Der klaffende Riss aus dem Beispiel trägt das Kürzel C und fällt mit sechs Millimetern in Klasse A.
Derselbe Code kann dabei in verschiedenen Klassen landen, bei Rissen in jeder der drei. Ein Haarriss ist Klasse C. Ein Riss von einem bis unter zwei Millimetern ist Klasse B, ab zwei Millimetern Klasse A. Wurzeln, die mindestens ein Zehntel des Querschnitts versperren, sind Klasse A, ein Rohrbruch ist es immer. Bei eindringendem Wasser entscheidet die Menge: Schwitzen ist C, Tropfen B, Fließen A.
Aus den Klassen wird eine Priorität, und dabei zählen Schwere und Häufung der Schäden. Die dringlichste Stufe erreicht eine Leitung schon mit einem einzigen Schaden der Klasse A, ebenso mit zwei Schäden der Klasse B auf zehn Metern. Die Norm nennt dafür einen Zeitraum von höchstens sechs Monaten, für die mittlere Stufe bis zu fünf Jahre. Ob daraus eine Pflicht wird, entscheiden Land und Gemeinde.
Kommunale Netze werden oft nach anderen Systemen bewertet, und dort laufen die Zahlen gegeneinander. Im System der DWA ist die Zustandsklasse 0 die schlechteste. Im System ISYBAU aus dem Bundesbau ist es die 5. Eine hohe Zahl kann also Entwarnung bedeuten, sie kann auch das Gegenteil bedeuten. Fragen Sie nach, welches System gemeint ist.
Was der Bericht nicht sagt
Ein Kamerabericht beschreibt, was zu sehen war, und stößt damit an Grenzen.
Er misst keine Dichtheit. Findet die Kamera keinen sichtbaren Schaden, gilt die Leitung nach der Norm als dicht, gemessen ist das damit nicht. Dafür gibt es die Prüfung mit Wasser und Luft.
Über Strecken, die die Kamera nicht erreicht hat, sagt er nichts. Steht im Bericht ein Abbruch, ist alles dahinter unbeurteilt, bis von der anderen Seite befahren wurde. Dasselbe gilt für alles, was unter Wasser liegt: In einer abgesackten Strecke, in der das Wasser steht, ist die Sohle verdeckt.
Was Sie nachfragen sollten
Wenn Sie einen Bericht in der Hand haben, den Sie nicht selbst beauftragt haben, etwa beim Hauskauf, helfen diese Fragen weiter. Wurde die Leitung vor der Befahrung gereinigt? Wurde jede Strecke bis zum Ende befahren? Und nach welchem System sind die Klassen vergeben?
Zu einem vollständigen Bericht gehören außerdem das Video, Fotos der einzelnen Befunde und eine Skizze, in der die Leitungen eingezeichnet sind. Fehlt etwas davon, fragen Sie danach.
Wenn Sie eine Befahrung Ihrer Leitungen brauchen, rufen Sie an unter 04131 / 62105. Schriftlich erreichen Sie uns unter service@behne-entsorgung.de. Was zur TV-Inspektion bei uns gehört, steht auf der Startseite.